Visionen

Auszug aus: Gelsenkirchen Abenteuer Ruhrgebiet von Winfried F. Szodruch
___________________________________________________________________Visionen

Einmal mit der
Dampflok durchs
Revier fahren

Ginge es nach den Freunden des Bahnbetriebswerks Bismarck, dann wäre der Ringlokschuppen längst eine zentrale Reparaturwerkstatt für historische Schien- enfahrzeuge mit einem angeschlossenen Erlebnismuseum. Hier könnten die zahl- reichen nostalgischen Touristenzüge halten und Kinder den Arbeitsalltag ihrer Großväter kennenlernen.

20 alte Schienenfahrzeuge der unterschiedlichsten Bauart stehen in der riesigen Halle

Eisenbahnfreaks und Freunde romantischer Zug reisen gibt es in Deutschland reichlich. Beim festlichen Abschied vom Dampf - lokzeitalter kamen im Mai 1977 über 80.000 Besucher nach Bismarck. Die Touristen könnten direkt von den Fahrgastschiffen im Stadthafen am Rhein-Herne- Kanal abgeholt werden, denn noch immer besteht die Schienenanbindung an das große weite Eisenbahnnetz.
 Dafür und für den Erhalt des Ringlokschuppens haben die Freunde des Bahnbetriebswerks gegen große Widerstände der Bahnvermarkter gesorgt. Auch nach dem Kauf des Bahnbetriebswerks durch den Regionalverband Ruhrgebiet versuchten sie, wenn auch nur widerwillig geduldet, den Verfall der Gebäude auf eigene Kosten zu verhindern.
 So ist der Wunsch von Paul Lindemann, Vorsitzender des Vereins der Eisenbahn- freunde, verständlich, wenigstens einmal mit der Dampflok durchs Revier zu fahren.

Paul Lindemann
möchte sich und anderen einen Traum erfüllen.
(Fotos, 2: Szodruch)

Aber eine deutsch-schweizerische Investoren- gruppe möchte die historischen Back- steingebäude aus den 20er Jahren zu einem modernen Event-Zentrum mit einer riesigen "Mini-World" für Modellbahnen umgestalten, mit Ausstell- ungsräumen und einer Veranstaltungshalle mit 800 Plätzen.
Doch Paul Lindemann und seine Freunde wollen für ihren Traum kämpfen. Dabei ist Paul Lindemann (66) keiner, der schon als Kind davon geträumt hat, Lokomotivführer zu werden. Erst im "gesetzten" Alter ist der Maschinenbauingenieur mit den Fach- bereichen Heizung, Sanitär und Klima zum Freak geworden. "So komisch das klingt", erzählt er, "mein Interesse hat das Pfeifen einer der letzten großen Dampflokomotiven geweckt."
Seitdem opfert der Vater von vier Kindern nicht nur viel Zeit für die Verwirklichung seines Traums von der Fahrt mit der Dampflok durchs Ruhrgebiet. Er weiß, dass er nicht gerade ein "bequemer Mann" ist. Manchem mutet sein Kampf gar wie der eines neuzeitlicher Don Quichotte an. Andere wiederum halten ihn für einen Sturkopf, der sich eine gute Idee nicht ausreden lassen will. Aber gerade deshalb wird er nicht nur von seinen Freunden geschätzt und bewundert. (wfs)

Der Ringlokschuppen
hat 16 Eingänge und die Dreh- scheibe 154 Schwellen. Für Liebhaber der großen alten Dampfloks gehört so etwas zum Einmaleins.
(Foto: Martin Möller, WAZ)